Die Holzschlange

Mit offenem Mund schaut mir die Holzschlange beim Schreiben zu. Ein unsichtbares Band lässt meinen Stift zu einem Teil von ihr werden und die Tinte zu ihrer Medizin. Wort für Wort löscht sie die gähnende Leere des grauen Papiers aus, macht es bunter und bunter. „Gut gemacht“, raunt mir die Schlange zu. Sie weiß, dass jedes Wort drei tief sitzende Tränen in mir hoch spült, die schon lange geweint werden wollten. Liebevoll ringelt und räkelt sie sich vor mir, ermutigt mich mit ihrem Tanz, weiter zu schreiben. So lange, bis ich auf dem Grund des Ozeans meiner Tränen angelangt bin, der meine Seele vergiftet hat, und ich meine Quelle wiederfinde.

Von der Seele schreiben

Tatsächlich kann Schreiben wie eine Medizin wirken. Entdeckt habe ich das für mich als Jugendliche, als ich mir buchstäblich allen Kummer von der Seele geschrieben habe. Auf diese Weise sind Nacht für Nacht Gedichte entstanden - und neben der Wirkung auf mich entstand auch so manches Werk, das Eingang in die Publikationen des Wettbewerbs “Lyrik zwischen 12 und 20” des Landestheaters Schleswig-Holstein fand.

Später entdeckte ich Methoden des Schreibens als Dialog mit der Seele, in denen tief sitzende Probleme gelöst werden können und manch unerkannter Zusammenhang zum Vorschein kommen kann. Auch das Aufschreiben und die persönliche Deutung von Träumen ist ein Weg innerer Kommunikation.
In der Zeit vorwärts gewandt können Wünsche und Gebete in Schriftform Wirkung entfalten. Wichtig ist dabei, den Platz zu beobachten, von dem die Wünsche stammen - sie sollten mit dem Herzen übereinstimmen.

Heilendes Schreiben