Es war einmal an einem ganz gewöhnlichen Tag, da murrten und stritten die Instrumente des großen Stadtorchesters besonders heftig. Sogar ehrliche Musikliebhaber machten einen Bogen um den Konzertsaal. Ob die Geigen zuerst ihre Aufstellung in Frage stellten oder die Pauke von hinten gedrängelt hatte – Beginn und Anlass des Getöses ließen sich später nicht mehr einwandfrei klären.
„Hier, ich, ich“, rief die erste Geige. Sie war sehr stolz, dass die Menschen sie immer zuerst nannten, wenn sie an ein Instrument denken sollten. Das gäbe ihr das Recht, auf ewig im Vordergrund zu stehen, dachte sie und sah auf ihre Kollegen herab.
„Ach was, du“, trötete die Trompete und stieß die Klarinette neben sich an, „nie lässt du anderen den Vortritt“.
„Das ist ja so wahr“, zitterte die Harfe und klimperte zaghaft, „das hätte ich einmal verdient. Denn ich bin viel zarter besaitet“.
„Ach, dumm, da, dumm“, polterte die Pauke, „du überspannst nur den Bogen, bis euch beiden die Saiten entzweireißen. Mir, mir gebührt die Ehre“.
„Ach ja, ach ja“, skandierte die Trommel. Doch bevor sie sich richtig einmischen konnte, zerbarst ihr Trommelfell.
„Plingpling“, höhnte die Triangel, „seht ihr, wo euer Streit euch hinführt. Plingpling. Nein, zart und doch hart muss man sein“.
„Papperlapp“, dröhnte der Kontrabass, „mein Klangvolumen sollte jeder haben, der hier mitspielen will“.
„Pi – a – no, pi – a – no“, klimperte das Klavier, „mein großer Bruder, die Orgel, lässt euch alle alt aussehen“. Taste für Taste begeisterte es sich zunehmend für die eigene Art.
Der Wettstreit wäre wohl noch lange weiter gegangen, und weiß, welches Ende er genommen hätte. Doch da kam der Dirigent herein und schwang seinen Taktstock.
Sofort senkte sich Stille herab.
Er seufzte. „Nur zusammen klingt die Sinfonie“, mahnte er, „ohne die anderen, kann die keiner von euch spielen“.
Da erinnerten sich die Instrumente, wozu sie hier im Orchestergraben zusammen gekommen waren. Sie wollten doch zusammen Musik machen! So plötzlich wie er gekommen war, hatte sich ihr Streit gelegt. Es war ihnen nicht mehr wichtig, wer wieviele Noten und in welcher Lautstärke erklingen lassen durfte.
„Aaaah“, ging ein Raunen durch den Raum.
Dann warteten alle von der Geige bis zur Pauke auf ihren Einsatz.
Man munkelt, dass an diesem Abend ein besonders ergreifendes Konzert erklungen ist.

 

Orchester-Graben